Maler, Zeichner, Fotograf, aber auch Kunstsammler und Zeitschriftengründer, und ganz nebenbei Autor, all diese Begriffe passen auf Walter Bondy. Name und Kunstwerk sind beinahe vergessen, was zu bedauern ist, denn sein Werk ist vielfältig und markant, sein Leben war bemerkenswert, seine Persönlichkeit gewinnend. Tief in die Schicksalswege der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstrickt, sorgte eben dieses zerstörende und vergessliche Zeitalter dafür, dass man nun nach seinen Spuren suchen und den Menschen wie den Künstler wieder präsent machen muss. Prag, Wien, Berlin, Paris, Sanary waren seine entscheidenden Stationen, und die künstlerischen Stichwörter lauten: Berliner Secession, Café du Dôme in Paris, Exil in Sanary-sur-Mer. Vielleicht sollte man überhaupt in Fragmenten von ihm reden, wo er doch am Ende seines Lebens hunderte von Aphorismen schrieb.
Im Dezember 2009 starb in Toulon Camille Bondy, geborene Bertron, im Alter von 99 Jahren. Walter Bondy hatte sie 1932 in Sanary kennengelernt und 1937 in Toulon geheiratet. Da war sie 26 und er 57 Jahre alt. Aber schon im September 1940, vor genau 70 Jahren, starb Walter Bondy an den Folgen von Diabetes, aber auch aus Kummer über die Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht. Im Nachlass von Camille Bondy, die in zweiter Ehe einen Korsen namens Cozzano heiratete, den sie aus der Résistance kannte, fanden sich einige Manuskripte, zwei Kladden mit Aphorismen, Erzählungen, Theaterstücke, ein „Anekdotenbüchlein der Familie Cassirer“, denn mit dieser weitläufigen Familie, die in der Kunstgeschichte so bedeutsam ist, war Walter Bondy verwandt.
Über die künstlerische Ausbildung von Walter Bondy ist noch längst nicht alles bekannt, wie auch manche Momente seines Schaffens noch zu erforschen sind. Er besuchte die Akademien in Wien, München und Berlin. Einer seiner Lehrer war George Mosson, der zur Berliner Secession gehörte. Mosson vermittelte den Kontakt mit dem Galeristen Paul Cassirer, der bis 1926 den Maler vertrat; ihm folgte der Galerist Werner Feilchenfeldt, zunächst in Berlin, nach 1933 in Zürich. Walter Bondy war regelmäßig vertreten auf den Ausstellungen der Berliner Secession und später der Freien Secession mit Akten, Blumenstücken und Porträts.
Nach 1904 hielt er sich vorwiegend in Paris auf, wo er zu den Säulen des Künstlerkreises vom Café du Dôme am Boulevard du Montparnasse gehörte. Dort besuchte er die Akademie Colarossi, und er ließ sich wesentlich von Renoir beeinflussen, vor allem in der Farbgebung. Auch Utrillo begeisterte ihn. „Wir sehen Paris durch seine Augen“, schrieb Bondy. Bondy malte Porträts, Stillleben und Landschaften, war aber auch ein feiner Zeichner.
Bondy betätigte sich nach 1918 auch als Kunstkritiker und als Sammler. Er sammelte Kunst aus Afrika und Polynesien, doch seine besondere Leidenschaft galt chinesischem Porzellan. 1923 erschien seine umfangreiche Monografie „Kang-Hsi – eine Blüte-Epoche der chinesischen Porzellankunst“. 1927 gründete er die Zeitschrift „Die Kunstauktion“, die er bis 1930 herausgab.
Lesen Sie mehr über Walter Bondy in der WELTKUNST 07/2010.

